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Lastenhandhabung

"Und so sprach mein Rücken"

Eine Geschichte am Rande

Hans und ich, wir sind ein Team; er - der Hans "und ich" seine Stütze: Seine Wirbelsäule. 51 gemeinsame Jahre haben wir jetzt auf dem Buckel. Allerdings war der Teamgeist nicht immer so, wie ich es mir gewünscht hätte. Er hat mich ganz schön belastet, der Hans! Aber seit einiger Zeit haben wir ein entspanntes Verhältnis zueinander.

Als wir beide zur Schule gingen, hab`ich alles mitgemacht. Keine Last war mir zu schwer, keine Verrenkung hat mich geschafft.

Als wir so Mitte zwanzig waren, bekam ich bereits das Gefähl, dass es nicht ewig so weitergehen kann. Das war die erste Ahnung, dass auch ich irgendwann in die Jahre kommen würde...

Aber Hans kümmerte das nicht. Er machte weiter wie bisher und ich machte mit... ich konnte ja nichts sagen. Bis er mit 35 den Job wechselte. Er war jetzt bei einer großen Autofirma " die Kohle stimmte " wie ich's aus seinem Munde reden hörte. Aber mit mir stimmte nichts mehr. Jeden Tag krumm... abends wie gerädert, da war Schluss. Meine Bandscheiben wurden so sehr strapaziert, dass ich mit kräftigen Rückenschmerzen protestieren musste. Das ging dem Hans durch Mark und Bein " aber geändert hat er nichts!

"Mit Arzt einen Monat, ohne Arzt 4 Wochen", pflegte er seine Devise trotz meines Protestes! Das sah ich mir ein Jahr lang an " das Leben musste schließlich weitergehen " bis ich ein neues Zeichen setzen musste: "Hexenschuss", nannte er meinen Hilfeschrei und er hörte sogar auf mich und verhielt sich endlich so, wie ich es wollte!

Es ist schon erstaunlich: Der Schmerz hinderte den Hans daran, Dinge zu tun, die nicht gut für den Körper sind: Zum Beispiel das ätzend weite Vorneigen in eine Kiste zum Herausholen von Ersatzteilen! Hans feierte letztlich 4 Wochen krank.

Er wurde ruhiger. Meine Signale machten ihm Angst. Nicht, dass es mir darauf ankam, ihm das Fürchten zu lehren. Aber wir müssen ja noch viele Jährchen miteinander zurecht kommen und da war mir jedes Mittel recht.

Er musste wieder in die Schule " für mich " nämlich in die Rückenschule. Dort lernte er, sich so zu bewegen, wie es mir gut tut. Er ging Joggen und endlich bekam ich gute Nachbarn, mit denen ich die Last teilen konnte: Starke Rückenmuskeln.

Aber mein Feind, diese blöde Haltung bei der Arbeit, dieses ständig in engen Karrosserien hantieren müssen, blieb und so blieb auch unser Verhältnis noch immer gestört...

Aus heiterem Himmel konnte der Hans eines Tages in der Firma plötzlich auf mich Rücksicht nehmen: Bei jeder Gelegenheit versuchte er, mich aufzurichten, selbst beim Anheben! Um mich herum wurde viel gewuselt und getan, was da geschah wußte ich nicht genau: Da haben die irgendwie von Arbeitsschutzmanagement, Gefährdungsbeurteilung, Prävention und so komischen Sachen gefaselt, Hans musste am Arbeitsplatz üben, mich aufzurichten... kapiert hab`ich nicht viel. Egal: Wenn es so bleibt beim Job von dem Hans, dann können er und ich zufrieden sein und "Hans im Glück mit gesundem Rücken sein".


(Frei nach Fastabend, April 2001)

 

 

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